Sa 29.07.2006 17:13 Uhr | | De Personis I Über Masken oder Die Welt durch andre Augen sehen
Eine Maske....
«Bitte höre, was ich nicht sage!
Laß Dich nicht von mir narren. Laß Dich nicht durch das Gesicht täuschen, das
ich mache. Denn ich trage tausend Masken - Masken, die ich fürchte abzulegen.
Und keine davon bin ich. So tun als ob ist eine Kunst, die mir zur zweiten
Natur wurde. Aber laß Dich dadurch nicht täuschen, um Gottes willen, laß Dich
nicht von mir narren.
Ich mache den Eindruck, als sei ich umgänglich, als sei alles sonnig und heiter
in mir, innen wie außen, als sei mein Name Vertrauen und mein Spiel Kühle, als
sei ich ein stilles Wasser und als könne ich über alles bestimmen, so als
brauchte ich niemanden.
Aber glaube mir nicht, bitte, glaube mir nicht! Mein Äußeres mag sicher
erscheinen, aber es ist meine Maske. Darunter ist nichts Entsprechendes.
Darunter bin ich wie ich wirklich bin: verwirrt, in Furcht und alleine. Aber
ich verberge das. Ich möchte nicht, daß es irgend jemand merkt. Beim bloßen
Gedanken an meine Schwäche bekomme ich Panik und fürchte mich davor, mich
anderen überhaupt auszusetzen. Gerade deshalb erfinde ich verzweifelt Masken,
hinter denen ich mich verbergen kann: eine lässige, kluge Fassade, die mir
hilft, etwas vorzutäuschen, die mich vor dem wissenden Blick sichert, der mich
erkennen würde. Dabei wäre dieser Blick gerade meine Rettung. Und ich weiß es.
Wenn er verbunden wäre mit Angenommenwerden, mit Liebe. Das ist das einzige,
das mir die Sicherheit geben würde, die ich mir selbst nicht geben kann: daß
ich wirklich etwas wert bin.
Aber das sage ich Dir nicht. Ich wage es nicht. Ich habe Angst davor. Ich habe
Angst, daß Dein Blick nicht von Annahme und Liebe begleitet wird. Ich fürchte,
Du wirst gering von mir denken und über mich lachen - und Dein Lachen würde
mich umbringen. Ich habe Angst, daß ich tief drinnen in mir selbst nichts bin,
nichts wert, und daß Du das siehst und mich abweisen wirst.
So spiele ich mein Spiel, mein verzweifeltes Spiel: eine sichere Fassade außen
und ein zitterndes Kind innen.
Ich rede daher im gängigen Ton oberflächlichen Geschwätzes. Ich erzähle Dir
alles, was wirklich nichts ist, und nichts von alledem, was wirklich ist, was
in mir schreit; deshalb laß Dich nicht täuschen von dem, was ich aus Gewohnheit
rede.
Bitte höre sorgfältig hin und versuche zu hören, was ich nicht sage, was ich
gerne sagen möchte, was ich um des Überlebens willen rede und was ich nicht
sagen kann.
Ich verabscheue Versteckspiel. Ehrlich! Ich verabscheue dieses oberflächliche
Spiel, das ich da aufführe. Es ist ein unechtes Spiel. Ich möchte wirklich echt
und spontan sein können, einfach ich selbst, aber Du mußt mir helfen. Du mußt
Deine Hand ausstrecken, selbst wenn es gerade das letzte zu sein scheint, was
ich mir wünsche. Nur Du kannst diesen leeren, toten Glanz von meinen Augen
nehmen. Nur Du kannst mich zum Leben rufen. Jedesmal, wenn Du freundlich und
sanft bist und mir Mut machst, jedesmal, wenn Du zu verstehen suchst, weil Du
Dich wirklich um mich sorgst, bekommt mein Herz Flügel - sehr kleine Flügel,
sehr brüchige Schwingen, aber Flügel!
Dein Gespür, Dein Mitgefühl und die Kraft Deines Verstehens hauchen mir Leben
ein. Ich möchte, daß Du das weißt.
Ich möchte, daß Du weißt, wie wichtig Du für mich bist, wie sehr Du aus mir den
Menschen machen kannst, der ich wirklich bin - wenn Du willst. Bitte, ich
wünschte, Du wolltest es. Du allein kannst die Wand niederreißen, hinter der
ich zittere. Du allein kannst mir die Maske abnehmen. Du allein kannst mich aus
meiner Schattenwelt, aus Angst und Unsicherheit befreien - aus meiner
Einsamikeit. Ubersieh mich nicht. Bitte - bitte, übergeh mich nicht! Es wird
nicht leicht für Dich sein. Die lang andauernde Überzeugung, wertlos zu sein,
schafft dicke Mauern. Je näher Du mir kommst, desto blinder schlage ich zurück.
Ich wehre mich gegen das, wonach ich schreie. Aber man hat mir gesagt, daß Liebe
stärker sei als der Schutzwall, und darin liegt meine Hoffnung
Bitte, versuche diese Mauern einzureißen mit sicheren Händen, aber mit zarten
Händen ein Kind ist sehr empfindsam.
Wer ich bin, magst Du fragen? Ich bin jemand, den Du sehr gut kennst. Denn ich
bin jedermann, den Du triffst, jeder Mann und jede Frau, die Dir begegnen.
Autor - unbekannt |
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Mo 15.05.2006 00:06 Uhr | | De potestate verbi Über die Kraft des Wortes oder Warum auch ich als Philosoph in einer Tonne leben würde/müsste
Verantwortungsvolle Selektion:
Realisten auf den Scheiterhaufen!
Die Zukunft gehöre den Idealisten!
Hätten die Pessimisten doch sonst niemanden
der dem Wunsch nach Suizid widerstehen könnte,
wenn sie an ihm ihre Schadenfreude über die Depression
der Optimisten auslassen, sobald jene erkannten,
dass sie das beste bereits hinter sich gelassen haben,
dass einzig die Ideale sie noch von ihrem Suizidwunsch abhalten könnten,
die sie an den Idealisten immer kritisiert haben, da sie unrealisierbar schienen.
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Di 25.04.2006 23:33 Uhr | | De Caritate I Gedanken über die Liebe oder Oxymora des Lebens I
Nachdem in meinem Literaturzirkel heute,
auf Grundlage des Bildnisses eines gewissen Dorian Gray,
beinahe drei Stunden darüber diskutiert wurde, was nun Liebe sei, ab wann man von Liebe sprechen könne - und ich von den weiblichen Mitgliedern dieses Zirkels, deren Meinung ich bisher sehr in Ehren gehalten hatte, in einer Weise desillusioniert wurde, wie ich es mir nie hätte vorstellen können
("Du glaubst an wahre Liebe? Du glaubst an Liebe auf den ersten Blick? Das ist doch alles nur Triebgesteuert! Was bist Du denn für ein Kerl?!) -
möchte ich in diesem Blog immer wieder einfache Gedanken, die mir gerade zum Thema Liebe in den Sinn kommen, die mein Herz meinem Geist zu flüstern vermag, der Welt kundtun (will diese sie nun hören oder auch nicht )
"Verliebt,
sind wir großzügig mit uns,
wenn es darum geht, die Fehler unseres Partners zu übersehen.
Lieben wir,
so werden wir immer härter zu uns,
wenn es darum geht die Fehler unseres Partners zu übersehen,
doch dafür sind wir bereit sie zu verzeihen - und das von Herzen."
"Macht ohne Liebe ist wie ein Auto ohne Motor -
Du kannst vielleicht damit angeben und viele Leute beeindrucken,
weit kommen wirst Du damit jedoch nicht."
"Was die Seele am meisten und stärksten abnützt, sind:
verzeihen ohne zu vergessen
lieben ohne geliebt zu werden"
"Den wohl wichtigste Teil der Schöpfung,
der auch noch beweist, dass der Teufel und der liebe Gott
irgendwann einmal zusammengearbeitet haben,
nennt der Mensch oft ziemlich unbedarft einfach Liebe"
"Die Engel, die nennen es Himmelsfreud,
die Teufel, die nennen es Höllenleid,
die Menschen, die nennen es – Liebe"
Um Heinrich Heine zu zitieren |
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Mi 05.04.2006 23:19 Uhr | | De potestate spei Über die Kraft der Hoffnung oder Ein neu gewonnenes Vertrauen in die Allgegenwart der Liebe
Wie der Messias sterben musste,
um wieder auferstehen und die Menschen erlösen zu können,
so muss man wohl bisweilen auch die Hoffnung erst begraben,
damit sie mit neuer Kraft erstehen und unser Leben erfüllen kann. |
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Mi 08.03.2006 22:23 Uhr | | Entre dos Tierras Zwischen zwei Welten oder Das Revier eines Steppenwolfs
Entre dos Tierras – Zwischen zwei Welten… So heißt ein Lied (nein, bewusst nicht Song, Anglizismen gilt es in my humble opinion zu vermeiden) der Heroes del Silencio, der Helden des Schweigens, der Stille. Merkwürdiger Name für eine Gruppe, noch merkwürdigerer Titel für ein Lied – doch merkwürdig hier nicht im Sinne von „spinnert“, sondern im wahrsten Sinne des Wortes.
„Zwischen zwei Welten“ – das ist ein Gefühl, das der Steppenwolf nur zu gut kennt, selbst wenn es, um seinen Gefühlszustand zu beschreiben, wohl noch nicht weit genug geht. Hesse hat es vielleicht am passendsten ausgedrückt, indem er den Steppenwolf mit dem Goeth’schen Faust folgendermaßen vergleicht und damit gleichzeitig auch verspottet:
„Wenn Faust den […] Spruch sagt: «Zwei Seelen wohnen, ach, in meiner Brust!» dann vergisst er den Mephisto und eine ganze Menge andrer Seelen, die er ebenfalls in seiner Brust hat. Auch unser Steppenwolf glaubt ja, zwei Seelen (Wolf und Mensch) in seiner Brust zu tragen und findet seine Brust dadurch schon arg beengt. Die Brust, der Leib, ist eben immer eines, der darin wohnenden Seelen aber sind nicht zwei, oder fünf, sondern unzählige;
[…]Betrachten wir von diesem Standpunkt aus den Steppenwolf, so wird uns klar, warum er so sehr unter seiner lächerlichen Zweiheit leidet. Er glaubt, wie Faust, dass zwei Seelen für eine einzige Brust schon zu viel seien und die Brust zerreißen müssten. Sie sind aber im Gegenteil viel zu wenig, und der Steppenwolf vergewaltigt seine arme Seele furchtbar, wenn er sie in einem so primitiven Bilde zu begreifen sucht. Er verfährt, obwohl er ein kein ungebildeter Mensch ist, etwa wie ein Wilder, der nicht über zwei hinaus zählen kann. Er nennt ein Stück von sich Mensch, ein andres Wolf, und damit glaubt er schon am Ende zu sein und sich erschöpft zu haben. In den «Menschen» packt er alles Geistige, Sublimierte oder doch Kultivierte hinein, das er in sich vorfindet, und in den Wolf alles Triebhafte, Wilde und Chaotische. Aber so simpel wie in unsern Gedanken, so grob wie in unsrer armen Idiotensprache geht es im Leben nicht zu, und der Steppenwolf belügt sich doppelt, wenn er diese primitive Wolfsmethode anwendet. Er rechnet, so fürchten wir, ganze Provinzen seiner Seele schon zum «Menschen», die noch lange nicht Mensch sind, und rechnet Teile seines Wesens zum Wolfe, die längst über den Wolf hinaus sind. Wie alle Menschen, so glaubt auch er recht wohl zu wissen, was der Mensch sei, und weiß es doch durchaus nicht, obschon er es, in Träumen […] nicht selten ahnt…“
Wohlan, schwere Kost, besonders für denjenigen, der sich in die Fußstapfen der inzwischen vermeintlich längst ausgestorbenen Spezies Steppenwolf gedrängt fühlt, ohne wirklich in sie treten zu wollen – schließlich ahnt er bereits, was wohl alles damit verbunden ist; und diese Ahnung macht ihm mehr Angst, als er selbst zugeben möchte. Und dann quält ihn noch die ständige Frage nach dem „Warum?“. Ist er sich denn nicht bereits bewusst, dass, wer seine Spuren hinterlassen will, Wege zu beschreiten hat, die nie zuvor ein Mensch beschritten? Weshalb sollte er sich also in die Rolle des einsamen Steppenwolfes drängen lassen, dessen Brust Platz für mehr Seelen bereit hält, als die Armenhäuser dieser Welt?
Gerne würde er hierauf eine einfache Antwort finden, würde sie sich selbst geben und sich damit wohl das größte Geschenk machen, das er sich selbst zu machen in der Lage ist. Doch bisher hat er sie nicht gefunden…
Es bleibt ihm nur ein Anhaltspunkt: „Die nie zuvor ein Mensch beschritten“… und dieser Anhaltspunkt lässt ihm die verzweifelte Hoffnung, dass es kein bloßer Mensch war, in dessen Fußstapfen er tritt, sondern ein wirklicher Steppenwolf – und, dass er selbst irgendwann wieder ganz zum Menschen wird, bevor er den Weg des Wolfes zu Ende gegangen ist, dass er einmal seine Maske ablegen und, wie das Phantom der Oper, von sich behaupten wird, er brauche sie nicht mehr, denn einmal in seinem Leben sei er geliebt worden.
Bis dahin jedoch bleibt er zwischen (wohl mehr als) zwei Welten gefangen und geht einsam seinen Weg…
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